Kernlanze

Der Zentralschlüssel zu jeder Bank

Irgendwann fragte ich mich, ob das Schneiden von Beton nur mit Diamanttechnik zu bewältigen sei. Mit was schneidet man Guß? Womit zertrennt man Aluminium -Mehrstoffbronce?

Hierauf gibt es nur eine Antwort...                                      ...die Sauerstoffkernlanze!

Im wesentlichen handelt es sich hierbei um ein Stahlrohr, welches mit Magnesium-Silizium-Drähten durzogen ist. Selbiges wird mit technisch reinem Sauerstoff beschickt. Im Sauerstoffstrom brennt die eigentliche Lanze bei bis zu 3000 C° ab.

Mit der Sauerstoffkernlanze läßt sich alles schneiden außer Graphit. Diesen zündet man damit nur an. Nachdem Graphit bei ca. 4500 C° abbrennt, wird es dann Zeit zu gehen...

Vor Eigenversuchen, ohne sorgfältige technische Einweisung, sei an dieser Stelle deutlich gewarnt!

Der Umgang mit technischen Gasen und auch mit der Lanze selber ist nichts für Amateure!

Beton

Beton, flüssig wie Kerzenwachs...

Stahl

Stahl und Guß schneidet die Sauerstoffkernlanze wie Butter.

Bremstrommel (Guß)

Rest des Isolators

Isolator

Man sagt, die Keramik von Isolatoren (Hochspannungsleitungen) sei hochfest. Ich konnte hierfür keine Bestätigung finden.

Die “hochfeste” Keramik verflüssigte sich weitaus schneller als vergleichbar “harte” Materialien.

Die Einweisung

Bevor man sich mit einer Sauerstoffkernlanze einläßt bedarf es, wie bereits erwähnt, einer ausführlichen Einweisung.

Auch sollte man ersteinmal ein wenig herum probieren, um ein Gefühl für die Lanze und die eigene Ausrüstung zu bekommen.

Du selbst in Aluminium-Schutzkleidung mit Helm und Vollvisier, vor Dir fauchende 3000C° und hinter Dir Unmengen an Sauerstoff und Azethylen.

Nicht gerade der Ort für eine Party, auch wenn es zeitweise ein wenig nach Sylvester aussieht.

Man schneidet erstmal alles kurz und klein, was sich denn so findet...             ...holt sich die ersten Brandblasen, und lernt, daß man am Besten Gummistiefel trägt...       ...die stinken nämlich, wenn man beginnt in der Lava zu stehen. Weiter lernt man sehr schnell, daß auch alles andere an einem selbst sehr schnell das Brennen anfangen kann. Selbst die sog. Panzerschläuche fangen irgendwann Feuer, und es pfeift einem der Sauerstoff um die Ohren.

Der Einsatz

Wir nehmen mal an, die Stadt Würzburg hat eine Brücke zuviel, und ist selbiger überdrüssig.

Jetzt verläuft die Brücke aber über eine wichtige Bundesstraße und der Bundesbahnhauptbahnlinie zwischen Frankfurt und Nürnberg...

...alleine die Genehmigung des Abrißunterfangens bedurfte eineinhalb Jahre.

Das gewährte Zeitfenster betrug exakt zwei Stunden! Vorarbeiten waren nicht möglich! Und nach zwei Stunden mußte die Brücke inkl. aller notwendigen Arbeitsgeräte weg sein.

Womit in “handliche” (transportfähige) Stücke schneiden? Diamanttechnik? Undenkbar! Sprengen? Mitten in Würzburg? (Standardsprengungen erfordern einen Mindestsicherheitsradius von 400m)

AC 1600

Zunächst muß mal “schweres Gerät” vor Ort!

Der 500ert Tonner brauchte alleine eine dreiviertel Stunde um auf einer nahe gelegenen Kreuzung zu drehen!

Ohne Kranabsicherung geht nichts!!

Dann kamen die heißen Jungs mit viel Brennbarem...

Chevrolet 5,4 t Speuialfahrzeug

Anschnitt

und schnitten voller Tücke...

Haltebrennbohrung

...in die Brücke eine Lücke.

nur 50 cm von 3000 C° weg

Verladung

Vorbereitung für die Verladung auf einen der sechs Schwer- transporter.

Das flinke “Wiesel” in der Mitte ist einer der wichtigsten Männer...

...der Anzünder.

Auch der Mann am Sauerstoff muß mit hoher Konzentration permanent 16 bar Druck bei 17 m³ die Stunde liefern...

...sonst geht vorne das Feuerwerk aus!

Teamwork

Feuer und Bewegung

the last cut

Geschnitten, gehoben und verladen...       ...nach zwei Stunden war der “Spuk” vorbei.

Husch, husch....             wars furt!

Der Schnitt

Besondere Begeisterung kam immer dann auf, wenn man uns erst holte, wenn die Diamanttechnik versagt hatte. Alle leichten Schnitte waren bereits erledigt. Mit den schwierigen Dingen durften wir uns dann herumschlagen.

So auch in diesem Fall. Die Decken waren bereits geschnitten und eigentlich nicht mehr belastbar. An die Pfeiler und Unterzüge kam eine namhafte Firma aus Würzburg allerdings nicht heran, bzw. enthielten selbige zuviel Stahlarmierung.

Milimeterarbeit

Eine Sauerstoffkernlanze produziert Unmengen an sog. roten Hüttenrauch, der in der Enge einer Halle zu einer imensen Belastung für diejenigen wird, die dort arbeiten.

Weiter entsteht ein ungeheurer Hitzestau in einem Gebäude in dem mehrere Teams gleichzeitig mit dieser Technik arbeiten.

Raumtemperaturen von 50 C° und mehr sind keine Seltenheit.

Du sitzt auf 3000 C°

schlechte Sicht

Die schlechten Sichtverhältnisse steigern die Unfallgefahr.

roter Hüttenrauch

Funkenflug

the final cut

Wenn man die letzten Ecken und Träger einer Decke durchtrennt, wird es “eng”.

Man hantiert hier mit hoch explo- siven technischen Gasen, und bewegt sich gleichzeitig auf einem Untergrund der nicht mehr tragfähig ist.

Nichts für schwache Nerven!

flüßiger Beton bei 1400 C°

Lava

Wer sich im Untergeschoß aufhält...            ...ist selbst dran Schuld! Hier fließt die Lava mit 1200 bis 1400 C° ab, und verursacht einen “Funkenflug” aus flüssigem Beton, der zu schwersten Verbrennungen führt!

gleich fällt es

Trümmer

Herab fallende Trümmer!!

Wer dem flüssigen Beton entgeht, läuft immer noch Gefahr erschlagen zu werden.

Flaschenbündel je 120 m³

Industriedruckminderer

Eine Sauerstoffkernlanze hat einen Durchsatz von ca. 17 m³ Sauerstoff pro Stunde. Selbst im Hochsommer beginnen Industriedruckminderer sofort zu vereisen. Wir mußten alle 30 Minuten das Bündel wechseln um noch den nötigen Durchfluß zu gewährleisten! Das hatte auch die Firma Linde noch nicht erlebt...

Das Team

Das Team

In 36 Stunden war der Job erledigt!

30 Tonnen Lanzen und 1200 m³ Sauerstoff verbraucht.

...uns bot niemand Feuer an.

Die Firma Linde entschuldigte sich im Nachhinein, daß die insgesamt zehn benötigten Flaschenbündel, nicht immer termingerecht angeliefert werden konnten.